Jede/r kann Judas sein

Für die St.Jakobskirche in Rothenburg schuf Tilmann Riemenschneider 1501-1505 den Heiligblut-Altar. Mit diesem Retabel sollte eine Heilig-Blut-Reliquie aus dem 13.Jahrhundert einen angemessenen und würdigen Rahmen finden. Sie ist in einem Bergkristall in einem vergoldeten Kreuz eingeschlossen. Der Betrachter aber sieht als Erstes eine Abendmahlszene, in deren Mittelpunkt nicht Jesus steht, sondern Judas, der Verräter. In erkennt man deutlich an dem Beutel mit den 30 Silberlingen, dem Blutgeld, den er in den Händen hält. Trotzdem reicht ihm Jesus den Bissen Brot, lädt er ihn ein an den Tisch.

Die übrigen Apostel sind verwirrt und diskutieren miteinander, während Johannes, der Lieblingsjünger an der Brust des Herrn ruht.

Die Figur des Judas konnte auch aus dem Altar entfernt werden und man vermutet, dass an den Kartagen sein Platz deshalb leer blieb: deutliches Zeichen, dass die Betrachter, jede/r dieser Judas sein kann.

An den anderen Tagen lädt die zentrale Figur dieses Altarbildes ein, sich ihm anzuschließen.. Sich trotz der eigenen Sünden vom Herrn zu Tisch bitten zu lassen. Wenn er sich einladen lässt und nach oben schaut, sieht er das Reliquiar und hört die Botschaft: „Ihr wisst, dass ihr aus eurer sinnlosen, von den Vätern ererbten Lebensweise nicht um einen vergänglichen Preis losgekauft wurdet, nicht um Silber oder Gold, sondern mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel.“ (1 Petrusbrief Kapitel 1, Verse 18-19)

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